Rußland ist und bleibt ein guter Partner
Schon die Ueberschrift kam mir seltsam vor und ich dachte mir "Den Link musst Du klicken". Ich wurde unmittelbar zu einem Kommentar im Onlineangebot der Welt geleitet:
Das Treffen von Kanzlerin Merkel mit Präsident Putin im fernen sibirischen Tomsk hat, so hoffe ich, eine Einsicht gefördert, die in so manchen nichtsnutzigen Diskussionsbeiträgen der letzten Wochen unterzugehen drohte. Und diese Einsicht ist sehr klar: Rußland und Deutschland - und Deutschland zugleich als stärkste Volkswirtschaft der EU - müssen ein Interesse an einer engstmöglichen strategischen Partnerschaft miteinander haben.Deutschland, die staerkste Volkswirtschaft der EU, stagnierend, waehrend andere europaeische Volkswirtschaften zum Ueberholen ansetzen, soll an einer engstmoeglichen Zusammenarbeit mit dem autoritaer gefuehrten Russland interessiert sein? Warum? Erhofft sich hier etwa jemand, durch Buckelei den Fuss in die russische Wirtschaftstuer zu bekommen?
Das hieß nie und heißt nicht, den jeweils anderen unbesehen für sakrosankt zu erklären. Das heißt aber, die beiderseitigen Interessen klar zu erkennen und darauf zu vertrauen, daß ihre gemeinsame Wahrnehmung auch weiterreichende positive Wirkungen nach innen und außen haben wird.Wir duerfen uns also beruhigt zuruecklehnen und davon ausgehen, dass wir Missstaende in Russland aufzeigen koennen, ohne Repressalien in Form von Kuerzungen der Erdoel- und Erdgaslieferungen befuerchten zu muessen? Puh, da bin ich aber froh, dass die letztens getaetigten Aeusserungen der Gasprom- und Transneft-Obergurus (Oel und Gas, was kostet das?) doch nur Luftblasen sind. Der bisher unbekannte Verfasser dieser Zeilen hat mir damit doch wirklich das Vertrauen in die Kritikfaehigkeit der russischen Regierung zurueckgegeben.
Das wiederum verlangt von beiden Seiten die Bereitschaft zu seriöser Zusammenarbeit und den Verzicht auf populistische Spiegelfechtereien, die diesmal in der Warnung vor einem neuen "kalten Krieg" gipfelten. Wir wissen: Man kann Krisen auch herbeireden!Aber natuerlich. Die Aeusserungen des Herrn Miller sind natuerlich nur aus der leeren Luft gegriffen oder wurden von den boeswilligen Berichterstattern nur mutwillig falsch interpretiert.
Zu niemandes Nutzen war es auch, wenn aus Berlin und auch aus Brüssel der Eindruck erweckt wurde, Rußland sei in Sachen Energieversorgung ein unzuverlässiger Vertragspartner. Die deutsche Erfahrung lehrt jedenfalls das glatte Gegenteil: Die über vier Jahrzehnte währende Energiepartnerschaft ist über alle Umwälzungen von der früheren Sowjetunion bis zum Rußland Putins ohne jeden ernsthaften Tadel verlaufen.Puh, na ein Glueck, dass am letzten Engpass die boese Ukraine schuld war, weil sie sich nicht der aus Moskau diktierten Preissteigerung um 440% fuer Erdgas unterwerfen wollte. Zugegeben, das Anzapfen der Transitpipeline war kein guter Stil, aber wenn schon mit harten Bandagen gekaempft wird, dann sollte man fairerweise beiden Teilnehmern dieses Recht zusprechen.
Zu den Tatsachen gehört auch, daß unsere Energieversorgung noch auf sehr lange Zeit ohne Erdgas und Erdöl aus Rußland nicht vorstellbar ist. Es ist wichtig zu wissen, daß auch für Rußland die Partnerschaft mit uns von höchstem Wert ist.Werden hier mal wieder leere Phrasen ohne Begruendung in den Raum gestellt? Warum ist die strategische Partnerschaft mit Deutschland fuer den russischen Baeren so wichtig? Weil er jemanden braucht, mit dem er wirksam Zecken aus seinem Fell beseitigen kann und Deutschland das Know--How dafuer liefern kann? Wohlan, lasst uns die russische Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen, den Forschungssektor konkurrenzfaehig machen und beobachten, wie wertvoll diese Partnerschaft fuer Russland im Endeffekt wirklich ist.
Meiner Meinung nach ist Deutschland fuer Russland nur ein notwendiges und frueher oder spaeter entbehrliches Uebel auf dem Weg zur Wiedererlangung des Weltmachtstatus.
Dazu nur ganz wenige Fakten und Daten: Rußland verfügt über 34 Prozent der Weltgasreserven - und liegt damit in der globalen Champions League auf Platz 1 -, über mehr als 18 Prozent der Weltsteinkohlereserven - Platz 2 der Champions League - und über mehr als 6 Prozent der Weltölreserven. Wir in der Europäischen Union decken zur Zeit etwa 30 Prozent unseres Ölbedarfs und etwa 50 Prozent unseres Gasbedarfs aus Rußland ab. Tendenz steigend.Aha. Eine Champions League. Da werden nun also schon Begrifflichkeiten aus der Fussballwelt zweckentfremdet, um seinen Standpunkt dem gemeinen Poebel schmackhaft zu machen oder wie sehe ich das jetzt?
Ich habe auch so meine Probleme mit der Aeusserung, dass man noch auf geraume Zeit von Russland bei der Energieversorgung abhaengig ist, weil es offenbar keine besseren Alternativen gibt, gleichzeitig aber hinnimmt und sogar foerdert und fordert, dass die Abhaengigkeit immer weiter steigt.
Aber die Kehrseite ist nicht minder spannend: Rußland kann seine Schätze ohne erhebliche ausländische Investitionen nicht heben. Der russische Investitionsbedarf im Energiesektor bis zum Jahr 2020 wird auf 500 bis 600 Milliarden US-Dollar geschätzt, allein beim Gas auf 160 bis 170 Milliarden.
Na, da lag ich mit meiner Vermutung, dass sich die Politik zur Hure machen laesst, um die eigene Wirtschaft anzukurbeln, doch gar nicht so schlecht. Ob das gutgeht? Vielleicht sollte man den Verfasser des Artikels darauf hinweisen, dass sich die Kehrseite einer Muenze nicht durch das Drehen um die Vertikalachse betrachten laesst. Dies hilft allenfalls dabei, die Randpraegung komplett zu lesen.
Ich folgere daraus: Weder wir noch die EU können auf eine verläßliche Partnerschaft mit dem wichtigsten Energieland der Welt im Osten unseres Kontinents verzichten. Und Rußland andererseits kann kaum ohne seine wichtigsten Abnehmer im Westen zurechtkommen. Was sollte uns veranlassen, Europas Hauptenergielieferanten in andere Arme zu treiben?Werden hier wieder Ursache und Wirkung verwechselt? Man will wohl nicht auf Russland in seiner Funktion als Hauptlieferanten verzichten. Von Koennen kann hier wohl nicht die Rede sein. Inwieweit Russland auf Europa angewiesen ist, hat man ja letzte Woche lesen koennen.
Wer jetzt der Meinung ist, dass Russland Lieb Kind mit der EU spielen wird, weil man ja auf das europaeische Know-How angewiesen ist, duerfte sich geschnitten haben. Russland findet genuegend andere Abnehmer fuer seine Rohstoffe und Deutschland bzw. die EU werden sich wohl kaum lukrative Auftraege entgehen lassen, auch wenn Russland die Lieferungen zurueckfaehrt.
Statt dessen sollten wir alles tun, die Zusammenarbeit so eng wie möglich zu schmieden, und dies auf allen Sektoren der Energiewirtschaft, von der Förderung und Erzeugung über den Transport und die Verteilung von Energie bis hin zum Klimaschutz durch Steigerung der Energieeffizienz und eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Unternehmen aus Deutschland, der EU wie aus Rußland, und zwar nicht nur die großen, sondern auch viele kleine und mittlere Unernehmen, können zu diesen gewaltigen Aufgaben ihre Beiträge leisten.
Richtig. Lassen wir uns ein schmiedeeisernes Collier mit einer kurzen Kette anlegen. Was haben wir denn zu verlieren? Das Sozialsystem in Deutschland hat den Zenit schon vor langer Zeit ueberschritten und bewegt sich auf den Kollaps zu, das Bildungssystem ist auch nicht so grossartig, wie es immer wieder hingestellt wird, die Integration ist fehlgeschlagen, hoffen wir also auf die Gnade Russlands, uns nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch in die russische Foederation einzugliedern.
So ist es ohne jeden Zweifel im Sinne unserer Wirtschaft - und im Interesse unseres Landes und Europas ist es auch. Wolfgang ClementJetzt ist auch das letzte Puzzleteilchen an seinem Platz. Parteisoldat wie er nunmal ist, muss sich unser Woelfchen gleich fuer sein frueheres Herrchen ins Zeug legen. In wessen Lohn und Brot steht er jetzt eigentlich? Da soll sich doch nochmal jemand ueber Seilschaften des Bush-Clans und der Oelkonzerne beschweren.
