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01.09.2005, 20:03 Uhr Fuer gewoehnlich halte ich mich ja mit meiner Weltanschauung weitestgehend zurueck, ausser, wenn ich mal gerade wieder auf groben Unfug derer gestossen bin, die anderer Meinung sind als ich.
Andererseits bin ich mir natuerlich auch bewusst, dass sich meine Meinung in der momentanen Gesellschaft schwer kommunizieren laesst. Das ist mir im Moment aber egal, ich schreib trotzdem was dazu.
Zuersteinmal gilt mein Mitgefuehl all denen, die aufgrund des verheerenden Wirbelsturms ihre Bleibe oder ihr Leben verloren haben. Wie so oft hat es auch diesmal wieder die Aermsten getroffen, die, die sich nicht in Sicherheit bringen konnten..
Was mich an dieser Geschichte aber am meisten bedrueckt ist die Tatsache, dass sich einige deutsche Volksvertreter wiedermal nicht zusammenreissen konnten und die Gelegenheit genutzt haben, den USA den Schwarzen Peter zuzuschieben (ins Besondere eben Juergen Trittin und Wolfgang Clement, zu letzterem spaeter mehr).
Voellig unabhaengig davon, wie viel von den Anschuldigungen wahr sind, sind sie zum jetzigen Zeitpunkt schlicht und einfach fehl am Platz und ueber alle Massen takt- und respektlos. Aber es scheint sich hierbei wieder um eine typisch deutsche Eigenschaft
zu handeln: Mit dem Finger auf den angeblich Schuldigen zeigen, wenn schon alles zu spaet ist. Daran waere an und fuer sich nichts auszusetzen, wenn man sich ein wenig Zeit zwischen dem Ereignis und den Schuldzuweisungen liesse, oder, wenn man sich dazu nicht imstande sieht, wenigstens so lange zu warten, bis die Regierung
offizielle Beileidsbekundungen oder aehnliches ausgesprochen hat.
Ich denke, dass die USA im Moment andere Sorgen haben, als sich das Gewaesch eines lebenslangen Berufspolitikers, der noch nicht einen Tag ehrliche Arbeit geleistet hat, anhoeren zu muessen.
Zum Inhalt von Trittins Rede:
Ja, es mag sein, dass die USA den im Moment hoechsten CO2-Ausstoss haben.
Ja, es mag sein, dass CO2 massgeblich an der Erderwaermung beteiligt ist.
Aber ebenso massgeblich sind diverse andere Treibhausgase an der Erwaermung beteiligt. Was ist denn mit dem Methanausstoss argentinischer Rinderherden? Methan ist ein 32x staerkeres Treibhausgas als CO2. Sollen wir jetzt alle methanerzeugenden Lebewesen notschlachten? Fangen wir aus Bequemlichkeitsgruenden mit uns an? Dann sollten wir doch gleich die Waffengesetze lockern. Sollten wir es nicht schaffen, die globale Erwaermung aufzuhalten, wird sich die Diskussion in einigen Jahren eh eruebrigt haben, da dann die Schmelze der sibirischen Tundra a.k.a. Permafrostboden unaufhaltsam vonstatten
gehen wird. Was das bedeutet? Im sibirischen Permafrostboden ist der 10000fache Gegenwert des momentanen jaehrlichen, weltweiten CO2-Ausstoss in Methan gebunden. Wenn der freigesetzt wird, brauchen wir auch kein Kyotoprotokoll mehr. [1]
Der naechste Punkt stellt die Wirksamkeit des Kyotoprotokolls in Frage.
Die Kyotoprotokolle sehen ein Senkung der Klimaaenderung von 0,1°C.
bis 2012 vor. Wenn man mich fragen wuerde, wuerde ich sagen: Peanuts.
Der naechste Punkt ist die ungleiche Umsetzung. Waehrend Laender wie Deutschland, Daenemark und Luxemburg zugesagt haben, ihren CO2-Ausstoss bis 2012 um mehr als 20% gegenueber 1990 zu senken, duerfen andere EU-Laender wie Spanien, Portugal und Griechenland ihren CO2-Ausstoss sogar noch steigern. Den Ausstoss von Treibhausgasen haben uebrigens fast alle Laender nach 1990 so oder so teilweise massiv gesteigert.
Weiterhin wird nicht betrachtet, dass Treibhausgase nicht die einzige und vor allem nicht die groesste Gefaehrdung fuer die Umwelt sind.
Solange es fuer einige Laender noch zum guten Ton gehoert, Umweltgifte ungefiltert in das Abwasser zu pumpen, Laender, die natuerlich auch die Kyotoprotokolle ratifiziert haben, wie z.B. China, und damit eine massive Verseuchung der zumindest lokalen Umwelt in Kauf nehmen, und dies von den ach so zivilisierten Laendern des westlichen Europas ignoriert wird, solange es Laendern wie Russland moeglich ist, sich aus den Vertraegen freizukaufen, solange sehe ich keine Veranlassung, die USA als den Suendenbock #1 hinzustellen. Ganz nebenbei hat auch Australien Kyoto nicht ratifiziert und ganz nebenbei halten sich einige US-Bundesstaaten und einzelne Grossstaedte an die Kyoto-Vorgaben. Man sieht also, dass auch in den USA ein Umdenken in der Beziehung stattfindet, wirtschaftlichen Bedenken zum Trotz. [2]
Dies sind natuerlich Fakten, die in Deutschland ganz beflissentlich unter den Tisch fallen. Sie stoeren ja auch das momentan vorherrschende Weltbild, in denen die USA die Position des Boesen und China und Russland die der Guten eingenommen haben.
Worauf ich bisher noch nicht eingegangen bin, ist der Kosten-/Nutzen-Faktor. In meinen Augen sind die Milliarden, die Jahr fuer Jahr in die Umsetzung der Protokolle gesteckt werden in der Erforschung alternativer Energien, Ausbau von Alternativen, auch und gerade im OePNV und auch in der Aufforstung von Waeldern sinnvoller angelegt. Zu letzterem: Die Aufforstung von Waeldern ist uebrigens sinnvoller, als den Ausstoss zu senken, wird aber nicht honoriert. Man kaempft also wiedermal nur an einer Front, anstatt ein stimmiges Gesamtkonzept zu erarbeiten.
Was Vorreiter Deutschland in der Hinsicht angeht: Warum sehe ich keine begruenten Daecher? Warum faehren so ziemlich alle Kraftfahrzeuge mit Treibstoff, der aus Erdoel gewonnen wurde? Warum ist Kunststoff immer noch so ein Renner? Wo sind denn die Alternative? 7 Jahre Rot/Gruen und es ist [immer noch nichts] in der Hinsicht passiert! Wenn nicht die, wer denn dann? Sollte man etwa festgestellt haben, dass man doch
nur kaeuflich ist und Lobbyisten nach der Pfeife tanzt? So wird das nichts. Allerdings sollte man sich dann auch nicht mit seinem Versagen ruehmen.
Was die roemische Tundra aus der Ueberschrift angeht: Jeder Leser, der ein bisschen in Geografie aufgepasst hat, wird natuerlich feststellen, dass das Quatsch ist. Es gibt keine Tundra in Rom. Was es allerdings gibt, ist der bereits erwaehnte Permafrostboden in Sibirien und Gletscher in den Alpen.
Bei den Gletschern in den Alpen wurde anhand von Eisanalysen etc. festgestellt, dass die Alpen vor 2000 Jahren gruener waren als sie jetzt sind. Zum anderen wurden auch pflanzliche Ueberreste gefunden.
Apropos pflanzliche Ueberreste: Woraus besteht eigentlich der Permafrostboden?
Aus Pflanzen? Das wirft jetzt eine ganz heikle Frage auf: Wenn unter dem ewigen Eis Pflanzen sind, muss das doch bedeuten, dass die irgendwann mal dort gewachsen sind, was gleichzeitig bedeutet, dass es dort frueher mal noch waermer als jetzt gewesen sein muss. Sollte sich etwa die Theorie, dass wir im Moment aus einer Eiszeit heraus in eine Warmzeit bewegen doch bewahrheiten? Dann ist die ganze Panik ja voellig umsonst und wir werden nur Zeuge des natuerlichen Kreislaufes. Das sowas langfristiges natuerlich nicht in das begrenzte Kammervolumen eines durchschnittlichen Hobbyvolksvertreters passt, ist voellig klar. Darum wird auch versucht, den status quo beizubehalten, wie sinnlos das in einem dynamischen System auch sein mag. Wie wirkt sich eigentlich Geldverbrennen auf die Treibhausgasbilanz aus?
Nein, ich bin kein Feind von oekologischer Verantwortung, allerdings sollte sie sinnvoll sein und schon im kleinen Massstab anfangen, z.B. damit, dass man oefter mal sein Fahrrad rausholt, nicht ueberall mit dem Auto hinfaehrt, abends in der Wohnung die Festbeleuchtung auslaesst, im Winter die Heizung 2 oder 3 Grad niedriger laufen hat, etc, etc.
Ebenso: macht Euch doch bitte mal Gedanken ob das, was Ihr habt, nicht ausreicht fuer das, was Ihr macht, oder ob Ihr unbedingt ein neues Handy (oder ueberhaupt ein Handy), einen neuen Computer, ein neues Auto braucht.
Es ist nicht allein der Energieverbrauch im Betrieb, der zaehlt. Dieser macht nur einen geringen Prozentsatz der Energiebilanz aus. Es ist die Herstellung und Entsorgung, die die Energie frisst!
Ach, jetzt haette ich ja fast noch unseren Wirtschaftsminister vergessen, den ich eingangs angekuendigt hatte: Herr Clement ist natuerlich der Meinung, dass die USA an dem gestiegenen Oelpreis schuld sei und begruendet dies mit der Tatsache, dass die USA nicht genuegend Redundanz in ihre Oelversorgung eingebracht haette. Dies mag einerseits natuerlich richtig sein, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Allerdings wird ausser acht gelassen, dass es auch in den USA Umweltschutzorganisationen gibt, die etwas gegen den Ausbau der Raffinerien und Pipelines haben und die sind - im Gegensatz zu den hiesigen Kollegen - keine zahnlosen Tiger. [3]
Quellen:
[1]
slashdot [2]
Wikipedia (Kyoto-Protokoll) [3]
Reuters