Dienstag, Juni 13, 2006

Wie kurz ist doch das kollektive Gedaechtnis

Wie SpOn berichtet, seien deutsche Politiker ueber Guantanamo und die Auslegung, dass es sich bei den drei Selbstmorden vor zwei Tagen um Akte der asymmetrischen Kriegsfuehrung handle, empoert. Interessanterweise wird in erster Linie die versiffte, ostdeutsche Konkurrenz zum Weihnachtsmann, Wolfgang Thierse herangezogen. Dieser Mann ist natuerlich repraesentativ fuer "deutsche Politiker". Ach halt, Ruprecht Polenz (nein, ich spinne die Analogie mit dem Weihnachtsmann und seinem Gefaehrten jetzt nicht weiter) wird ja auch noch zitiert. Na damit haben wir schon zwei deutsche Politiker und die Ueberschrift ist wieder in sich konsistent.
Ueber die laxe Auslegung Admiral Harris' kann man nun geteilter Meinung sein, an der Tatsache, dass Selbstmorde in nahoestlichen Kulturen als Mittel der Kriegsfuehrung bzw. des Terrorismus nicht unbedingt unbekannt (und auch nicht durch Verzweiflung motiviert) sind, gibt es aber nun wirklich nichts zu deuteln. Insofern ist der Vergleich vielleicht nicht unbedingt von der Hand zu weisen.
Was faellt nun aber auf? Man kann den beiden (fuer SpOns Zwecke) repraesentativen Volksvertretern natuerlich zugute halten, dass sie beide aus dem Osten unseres Landes kommen und von daher die einen oder anderen Vorgaenge im Westteil nicht miterlebt haben. Da aber selbst ich als spaetgeborener Fast-Westpole von den Ereignissen in Stuttgart-Stammheim weiss, kann es sich eigentlich nur um eins handeln: Verdraengung.
Im Uebrigen ist es kein feiner Zug, nachzutreten, wenn der Gegner schon auf dem Boden liegt, im Falle der USA also Anstrengungen unternimmt, die Anzahl der Insassen zu dezimieren (nein, Selbstmorde zaehlen da jetzt nicht unbedingt dazu).

Weiterhin gratuliere ich dem Transatlantic Forum zum einjaehrigen Bestehen. Auf dass ich von Euch noch viel Information und Inspiration schoepfen mag.

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