...zum Thema Guantanamo. Seit dem 2.1.2007 sind Berichte von FBI-Mitarbeitern
online verfuegbar, die sich mit den Bedingungen in Guantanamo auseinandersetzen. Ich habe mir den Bericht bisher noch nicht durchgelesen, insofern stuetze ich mich jetzt auch nur auf Zweitquellen, in erster Linie auf
diesen Beitrag beim Transatlantic Forum.
Was bisher ja jeder vermutet hatte, keiner aber wirklich beweisen konnte, scheint sich nun bewahrheitet zu haben: Misshandlungen sind in Gitmo nicht unueblich. Allerdings erscheint mir die Zahl von 25 Vorfaellen bei 500 berichtenden FBI-Agenten und 435 Insassen nicht so aussergewoehnlich hoch.
Wie dem auch sei, zu den "Verhoermethoden" gehoeren unter anderem das Drapieren des Gesichtes eines (baertigen) Insassen mit Gewebeband. *Das* ist zumindest nun wirklich fies, es haette allerdings schlimmer kommen koennen. Das Verhoerpersonal haette z.B. Paketband nehmen koennen, welches zum einen weniger reissfest ist, was dazu fuehrt, dass man dann jeden Schnipsel einzeln aus dem Bart fitzeln kann, und zum anderen klebriger als Gewebeband. Denn auch wenn Gewebeband wunderbar reissfest und vielseitig verwendbar ist: Ueberragende Haftbarkeit konnte ich ihm bisher noch nicht bescheinigen.
Auch sollen waehrend der Verhoere die Klimaanlagen sehr heiss oder sehr kalt eingestellt worden sein. Jetzt weiss ich nicht, welche Art Klimaanlagen in Camp Delta installiert sind, aber wenn ich von der an meinem Arbeitsplatz ausgehe, laesst sich dort ein Intervall von 16-28 Grad Celsius einstellen, was ich persoenlich im Vergleich zu meiner Wohnung (4-40 Grad im Winter bzw. Sommer) noch recht human finde.
An anderer Stelle habe ich auch etwas von sexueller Erniedrigung der Insassen durch weibliches Verhoerpersonal gelesen. Wenn hiermit nun das Vorlesen von Harry Potter durch eine beminirockte Beamtin gemeint sein soll, wie ich es vor laengerer Zeit las, dann kann ich verstehen, dass soetwas als Folter eingestuft wird. Wenn die Augen milchig werden, ist es schon ziemlich schlimm.
Persoenlich schmunzeln musste ich ueber die Verhoermethoden "Laute Musik" und "Stroboskope". Wie ich aus
eigener Erfahrung weiss, kann diese Kombination wirklich in Folter ausarten, die hierzulande durch
freiwillig konsumierte und
bereitwillig bezahlte Drogen gelindert wird.
Vielleicht wollten die Verhoerenden den zu Verhoerenden nur die grausamen Zustaende in der westlichen Zivilisation naeherbringen und etwas Verstaendnis fuer unser Schicksal erzeugen? Nein, mal im Ernst: Wie man bei lauter Musik ein Verhoer durchfuehren soll, ist mir ein Raetsel, genauso wie die Kategorisierung von lauter Musik als Folter (oder kann ich auch jeden Autofahrer mit Migrationshintergrund, der mit ohrenbetaeubender Lautstaerke Lieder aus seiner Heimat im Autoradio hoert, wegen seelischer Grausamkeit anzeigen?).
Die einzige Methode, die mir Kopfschmerzen bereitet, war das Festhalten der Gefangenen in Foetusstellung ueber einen langen Zeitraum.
Egal wie, solche Methoden sind nicht unbedingt ein gutes Resumee fuer einen zivilisierten und demokratischen Staat, andererseits muss ich wirklich sagen, dass, solange die Haemmer, Bohrmaschinen, Autoreifen und die Abflussreiniger nicht zweckentfremdet werden (wie in einigen anderen Staaten dieser Erde), es die Insassen in Guantanamo nicht allzu schlecht erwischt haben. Selbst auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik wurde bis vor zwei Dekaden noch mit unmenschlicheren Methoden
gefoltert.
Eine interessante Randnotiz ist im Uebrigen, dass einige freigelassene Haeftlinge kurze Zeit spaeter im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet bei Kaempfen mit den US- oder Koalitionstruppen getoetet oder gefangengenommen wurden, obwohl man davon ausging, dass sie keine Gefahr mehr darstellen wuerden. [
Quelle]
Update:
Statler hat zum Thema auch noch ein paar Worte verloren.